Mit einem Frauenanteil von 69 % ist es kein Wunder, dass bei uns Kind und Kegel einfach zum Arbeitsalltag gehören. Sandra Utz ist eines der dienstältesten Wickelkinder und kennt die manduca praktisch ‚seit ihrer Geburt’. Umso spannender finden wir es, dass Sandra nun schon zum zweiten Mal während ihrer Jahre bei uns ein Kind bekommt und in Elternzeit geht. In unserem Interview wollten wir deshalb wissen: Wie ändert sich der Arbeitsalltag mit Kind?

WIKI: Du bist ja so was wie ein Urgestein bei den Wickelkindern … Sandra_Bild_400px

Sandra: Urgestein ist gut, obwohl das auch ein bisschen den Beigeschmack eines Fossils trägt und einem ein gewisses fortgeschrittenes Alter bescheinigt – aber ich nehme das jetzt mal nicht persönlich. 😉

Anm.: Sandra ist übrigens 14769 Tage alt, also gerade einmal 40 Jahre, und damit definitiv noch kein Fossil!

WIKI: Wie bist du zu uns gekommen?

Sandra: Nach erfolgreichem Abschluss meiner Promotion im Fach Biologie habe ich nach einem bezahlten Job gesucht, um erst einmal irgendwie überleben zu können. Wie es der Zufall so will, ist mein damaliger Doktorvater der Mann von Petra Schachtner, unserer Geschäftsführerin. Er hat mir angeboten erst mal bei den Wickelkindern auszuhelfen, wo es mich jetzt doch auch schon ganze unfassbare fünf Jahre gehalten hat.

WIKI: Und in welchen Abteilungen hast du seitdem gearbeitet?

Sandra: Hmm, da könnte man wohl eher fragen, in welchen Abteilungen ich irgendwann oder irgendwie nicht tätig war… Angefangen habe ich im Lager, wie alle damals. Das war perfekt, so konnte man die Arbeitsabläufe nicht nur vom Schreibtisch aus beurteilen. Nach und nach habe ich dann von Marketing, Messebetreuung, Verkauf und Einkauf bis hin zum Produktmanagement in jeder Abteilung gearbeitet. Mein Tätigkeitsfeld wurde breiter und breiter, die Koordinationsaufgaben zwischen den Abteilungen wuchsen an und irgendwann hat sich meine Position dann in der Berufsbezeichnung „Assistenz der Geschäftsleitung“ manifestiert.

WIKI: Und wo hat es dir am besten gefallen?

Sandra: Ich bin eigentlich ein kreativer Mensch, der gerne mit Menschen zusammenarbeitet, gut organisieren und koordinieren kann. Besonderen Spaß hat mir deshalb vor allem die Arbeit im Marketingbereich gemacht. Aber ganz generell war es doch so, dass es die Abwechslung war, die Spannung in den Arbeitsalltag brachte. Das brachte das gewisse Prickeln mit sich, das ich eigentlich schon suche und auch brauche.

WIKI: Das klingt aber doch auch anstrengend?

Sandra: Natürlich gab es Situationen oder auch Aufgaben, die keinen Spaß gemacht haben – alles andere wäre gelogen. Aber diese Dinge liegen in der Vergangenheit, zählen nun zu meinem wertvollen Erfahrungsschatz und lassen einen ja auch schließlich wachsen. Trotzdem war die Zeit bei den Wickelkindern bis zu diesem Zeitpunkt aufregend, bereichernd, und ich habe enorm viel dazu gelernt und für mich mitgenommen.

WIKI: Zum Beispiel?

Sandra: Ganz wichtig war für mich unter anderem die Erkenntnis, dass ein gutes Betriebsklima viel bewegen kann und dass Mitarbeitermotivation nicht einfach, aber unbedingt erforderlich ist, um gute Ergebnisse zu erzielen. Meine Motivationstänze waren legendär, die kennen leider nur noch die wenigsten der Angestellten hier – nun ja, das Gelächter hatte ich in jedem Fall auf meiner Seite. In schwierigen Zeiten lockert das ungemein auf.

WIKI: Bald kommt dein zweites Kind zur Welt. Wie war für dich die erste Elternzeit?

Sandra: Auf die erste Elternzeit habe ich mich wirklich gefreut. Ich war quasi von der ersten manduca-Lieferung an dabei und hab die Firma wachsen sehen, war sozusagen mittendrin und live dabei. Ich hätte vorher nie gedacht, dass der Aufbau einer eigenen Marke so vielschichtig ist. Es war eine interessante aber auch anstrengende Phase, wo ich am Ende auch tatsächlich selbst an meine Grenzen gestoßen bin. Da kam die Schwangerschaft mit Noah schon zum rechten Zeitpunkt, um mich hier ein bisschen auszubremsen und zurückzunehmen. Zwar waren die ersten Monate zu Hause ebenfalls sehr belastend, aber man bekommt von Kindern so viel zurück und das ganze Leben wird auf den Kopf gestellt – im positiven Sinn!

WIKI: Und wie war das Zurückkommen hier zu uns?

Sandra: Das Zurückkommen in die Firma war unkompliziert, aber für mich eher seltsam. Es gab nicht nur räumliche und strukturelle, sondern auch viele personelle Veränderungen in dem Jahr meiner Abwesenheit – alles war neu und unbekannt. Und so war ich selbst ebenfalls plötzlich die Unbekannte, die selbstverständlich nicht mehr über alles Bescheid wusste! Ein komisches, irgendwie fremdes Gefühl machte sich breit. Und da ich unseren enorm anhänglichen Noah noch nicht in eine Fremdbetreuung geben wollte, konnte ich auch nur mit einer begrenzten Stundenanzahl arbeiten, was von Petra aber ohne Weiteres so akzeptiert wurde. Ich habe daraufhin die Betreuung der Hebammen und Trageberaterinnen übernommen.

WIKI: Hast du das für dich als Karriereknick empfunden?

Sandra: Diese Position erlaubte diese Arbeitsbedingungen, ist aber natürlich in keiner Weise mit dem vergleichbar, was ich vor der ersten Schwangerschaft in dieser Firma geleistet habe. Dementsprechend war es vielleicht so etwas wie ein Rückschritt oder ein Karriereknick was die Arbeitsleistung angeht, aber in der damaligen Situation eben das einzig Wahre und Praktikable für mich und meine Familie. Ich habe aber bei Weitem nicht vor, hier stehenzubleiben.

WIKI: Also suchst Du später schon wieder eine größere Herausforderung?

Sandra: Keine Frage, obwohl ich zwischen den beiden Schwangerschaften jetzt nur ein dreiviertel Jahr gearbeitet habe, merke ich, dass mir diese Aufgabe auf Dauer mit zu viel Routine besetzt ist. Davon möchte ich weg. Wie das aussehen kann oder wird, weiß ich noch nicht, aber es wird ein Türchen aufgehen, da bin ich mir sicher!

WIKI: Wie managt ihr das mit Kind? Kommt dir die Firma entgegen?

Sandra: Da kann ich nur Positives berichten. Mein Lebenspartner ist auch bei den Wickelkindern angestellt und es wurde sehr viel Rücksicht in Bezug auf unsere Arbeitszeiten genommen. Mir wurde auch die Möglichkeit des Homeoffice angeboten, was ich gerne in Anspruch genommen habe. So konnten wir Noah den ganzen Tag selbst betreuen und doch unserer Arbeit nachgehen. An zwei Tagen war ich für ein paar Stunden in der Firma. Das hat mir auch gut getan, mal anderes zu hören und zu sehen. Ich denke, wir können von Glück reden, dass wir beide hier beschäftigt sind und eine so gute Lösung gefunden haben, für die ich sehr dankbar bin.

WIKI: Was könnte seitens der Arbeitgeber noch getan werden, um Mitarbeiter mit kleinen Kindern zu unterstützen?

Sandra: Da fällt mir eigentlich nur die Bereitstellung von Kindertagesplätzen ein, aber dazu müsste bei den Wickelkindern wohl die Mitarbeiteranzahl noch um einiges ansteigen, um das leisten zu können. Ich habe auch schon von Firmen gehört habe, die in bestimmten bestehenden Einrichtungen einfach ein paar Plätze für sich reserviert haben – das wäre natürlich großartig, weil das Angebot der Betreuungsplätze mehr als rar ist. Wir haben jetzt nach gut eineinhalb Jahren immer noch keine Aussicht auf eine Unterbringung. Entweder man hat enormes Glück bei der Suche nach einem Platz oder Beziehungen in diesem Bereich, sonst ist es schwer.

WIKI: Freust du dich auf die nächste Babypause?

Sandra: Selbstverständlich freue ich mich auf das nächste kleine Wunder, das sich bald in unser Leben schleichen wird. Mit diesem zweiten Kind ist unser Familienglück perfekt, zumal wir nicht mehr wirklich damit gerechnet hatten.

WIKI: Und wann kommst du wieder? Hast du schon Pläne?

Sandra: Wie lange ich zu Hause bleiben werde, hängt in erster Linie davon ab, wie sich alles einspielt und wie fordernd das Kind ist. Ich finde das sehr schwer im Vorfeld zu entscheiden. Jedes Kind ist eben anders und darauf möchte ich eingehen dürfen. Die Zeit, die wir hier mit unseren Kindern verbringen, sollten wir genießen, die kann einem kein Mensch mehr nehmen. Irgendwie werden sich noch Möglichkeiten ergeben, sich im Berufsleben wieder mehr zu etablieren – da bin ich optimistisch und schaue positiv in die Zukunft. Als ursprünglich schwäbisch fleißige Frohnatur werde ich das Kind schon schaukeln.

Liebe Sandra, wir freuen uns schon, wenn du nach der Babypause zu uns zurückkehrst. Eine manduca hast du ja schon, aber bestimmt schaust auch zwischendurch mal bei uns rein? Jetzt aber erst wünschen wir dir alles Gute und viel Mutterglück mit deinem zweiten Kind!