Was ist bloß in Deutschland los? In einem der reichsten Länder der Welt gerät einer der wichtigsten Berufe der Welt immer mehr ins Hintertreffen: Der der Hebamme.

Das ist für werdende Mütter ein immer drängenderes Problem – und gerät für Hebammen zunehmend zur Existenzfrage. Das ist eigentlich völlig paradox: Hebammen werden einerseits händeringend gesucht. Andererseits wurde (und wird) jedoch der Beruf immer unattraktiver gemacht. Wie kommt das? Um es vorweg zu nehmen: Gesetzgeber, Versicherungen und Krankenkassen haben sich in der Vergangenheit nicht eben mit Ruhm bekleckert.

Statt konzertiert für diesen wichtigen Beitrag zur Geburtshilfe zusammen zu stehen, wurde durch unkoordinierte, teils blindwütige und aktionistische Einzelerlasse den Hebammen nach und nach die Berufsgrundlage massiv erschwert.

Dabei sind schlechte Bezahlung, extrem hohe Arbeitsbelastung und rasant steigende Haftpflichtprämien für sich genommen schon ein riesiges Problem. Hinzu kommt eine EU-Verordnung, die zum Ziel hat, den Hebammenberuf durch einen akademischen Hochschulabschluss aufzuwerten. Die einen begrüßen das, andere sehen darin Probleme. Hinter diesem Thema verbirgt sich noch einiges Diskussionspotenzial.

Wie weltfremd die Politik Entscheidungen fällt, lässt sich auch daran ablesen: Seit einiger Zeit dürfen freiberufliche Beleghebammen nur noch zwei Gebärende gleichzeitig betreuen. Angestellte Hebammen hingegen sollen sich weiterhin um fünf bis sechs Frauen gleichzeitig kümmern. Das ist über alle Maßen hinweg indiskutabel.

Noch ein Beispiel für verfehlte Entscheidungen: Jede Geburt wird anhand eines sogn. DRG-Systems pauschal abgerechnet. Aber die Geburt eines Kindes unterliegt vielen Faktoren. So kommt es, dass eine Hebamme für die Begleitung einer 10stündigen Geburt genau so vergütet wird, die bei der Begleitung einer 2stündigen Geburt.

Und was sind die Folgen? Schwangere Frauen bekommen keine Hebammen und werden bei einsetzenden Wehen vom Krankenhaus abgewiesen. Ein übertriebenes Szenario? Nein, das ist es nicht. Es ist leider gelebter Alltag in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt.